Elisabeth Trissenaar wurde als Tochter einer Wiener Gesangsstudentin und eines holländischen Arztes in Wien geboren. Nach der frühen Scheidung der Eltern wurde sie von der Schwester ihrer Mutter und deren Mann, einem Diplomingenieur großgezogen. Sie besuchte ein Gymnasium ihrer Heimatstadt und begann unmittelbar nach der Matura ihr Studium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Zu ihren Studienkollegen zählten unter anderen Martin Sperr und Franz Xaver Kroetz, Monica Bleibtreu und Libgart Schwarz, Ulrich Wildgruber und Hans Neuenfels. Bereits während des dritten Semesters ihres Studiums wurde der Direktor des Stadttheaters Bern auf sie aufmerksam und engagierte sie. Nach nur vier Semestern Studienzeit und erfolgreicher Abschlußprüfung trat sie ihr erstes Engagement in der Schweiz an.
Während der zwei Anfängerjahre hatte sie die Möglichkeit, sich in vielen verschiedenen Rollen zu erproben und sich das Theaterhandwerk anzueignen, sie spielte dreizehn Premieren.
1966 kam der Sohn von ihr und Hans Neuenfels, Benedict zur Welt.
Bereits in ihrem zweiten Engagement an den Bühnen Krefeld- Mönchengladbach führten auch die beruflichen Wege von Neuenfels und Trissenaar, die schon auf dem Reinhardt - Seminar in Wien begonnen hatten, wieder zusammen. “Der Seidene Schuh“ von Paul Claudel wurde ihre erste große, gemeinsame Arbeit, auf die in den folgenden 42 Jahren über 60 gemeinsam erarbeitete Theateraufführungen und Filme folgten.
Nach den zwei Jahren des Engagements in Krefeld, wo sie sich auch in Musical und klassischer Operette erproben konnte - sie spielte und sang die Kate in “Kiss me Kate“ und die Öffentliche Meinung in “Orpheus in der Unterwelt“ wurden Neuenfels und Trissenaar von Peter Stoltzenberg nach Heidelberg engagiert, auch Gottfried John folgte Neuenfels von Krefeld nach Heidelberg, wo sie wieder auf Ulrich Wildgruber trafen und die Kerngruppe der Schauspieler um den Regisseur Hans Neuenfels bildeten. Nach zwei arbeitsreichen Jahren in Heidelberg und einer aufsehenerregenden Abschiedsinszenierung von “Fräulein Julie“ durch Neuenfels mit John als Jean und ihr als Julie ging sie für eine Spielzeit nach Bochum zu Hans Schalla und wurde dann von Peter Palitzsch für eine Spielzeit an das Staatstheater Stuttgart engagiert, mit dem Aspekt, die gemeinsame Arbeit am Schauspiel Frankfurt fortzusetzen, wo der einzige Versuch, an einer Städtischen Bühne ein Mitbestimmungsmodell zu installieren, realisiert werden sollte.
In den Jahren am Schauspiel Frankfurt spielte sie u.a. Nora, Hedda Gabler, die Medea des Euripides, die Goethesche Iphigenie. Sie gastierte während dieser Jahre als Wedekinds Franziska am Wiener Burgtheater, als Wedekinds Lulu am Schauspielhaus Zürich, spielte in Jürgen Flimms Eröffnungsinszenierung am Schauspiel Köln die Kunigunde in Kleists “Käthchen von Heilbronn“.
1974 kam es zu der entscheidenden Begegnung zwischen Trissenaar und Rainer Werner Fassbinder während der Arbeit an einer Handke - Aufführung am Schauspiel Frankfurt, 1976 besetzte er sie mit der weiblichen Hauptrolle in seinem Film „Bolwieser“, es folgten „Die Ehe der Maria Braun“, „In einem Jahr mit dreizehn Monden“ und „Berlin Alexanderplatz“. Das künstlerische Zusammentreffen mit Fassbinder war für Elisabeth Trissenaar von großer Bedeutung.
Mit dem Ende der Zeit des Mitbestimmungsmodells am Schauspiel Frankfurt 1981 und dem Abschied von Frankfurt am Main mit der Aufführung von Goethes „Iphigenie auf Tauris“ in der Inszenierung von Neuenfels ergab sich die Standortveränderung nach Berlin, wo Trissenaar und Neuenfels an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlins unter der Intendanz von Boy Gobert mit „Penthesilea“ von Kleist, „Die Schwärmer“ von Musil und der „Iphigenie“ große Erfolge feiern konnten. Neben den Verfilmungen von Penthesilea („Heinrich Penthesilea von Kleist“) und „Die Schwärmer“ drehte Trissenaar u.a. mit Andrzej Wajda, Krystof Zanussi und mit Agnieszca Holland (den für den Auslands – Oscar nominierten Film „Bittere Ernte“).
An Kurt Hübners Freier Volksbühne spielte sie Wedekinds „Franziska“ , „Verbannte“ von Joyce und stellte während des New York Film Festivals die noch vor Fassbinders Tod von ihm fertig gestellte Kinofassung von „Bolwieser“– „The Stationmasters wife“ dem New Yorker Publikum vor. Sie blieb der Freien Volksbühne auch unter der Intendanz von Neuenfels bis 1990 verbunden, spielte u. a. die Cleopatra, die Elektra des Euripides, die Gräfin Orsina in „Emilia Galotti“, arbeitete mit Ruth Berghaus und nach längerer Zeit wieder mit Peter Palitzsch.
Bei den Salzburger Festspielen war sie mehrere Sommer lang die Buhlschaft im „Jedermann“ mit Klaus Maria Brandauer, sie drehte Filme mit Marianne Lüttke, mit Xaver Schwarzenberger den Film „Franza“ nach Ingeborg Bachmann, mit Karin Brandauer und mit Neuenfels.
In den 90er Jahren gastierte sie am Hamburger Schauspielhaus mit Goethes „Torquato Tasso“, am Burgtheater Wien mit „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ , am Schauspiel Frankfurt, war die Öffentliche Meinung bei Götz Friedrich in „ Orpheus in der Unterwelt“ an der Deutschen Oper Berlin, die Medea in „Das Goldene Vlies“ am Burgtheater, für die sie Kainz Medaille der Stadt Wien erhielt, spielte am Schauspielhaus Zürich „Die Zofen“ von Genet, arbeitete mit Luca Ronconi bei den Salzburger Festspielen und konnte sich in mehreren Arbeiten am Bayerischen Staatsschauspiel in München realisieren.
In diese Zeit fielen u.a. Filmarbeiten mit Doris Dörrie („Keiner liebt mich“), mit Roland Suso Richter, Frank Beyer und mit Rainer Kaufmann („Kalt ist der Abendhauch“).
Mit der „ Fledermaus“ in der Inszenierung von Neuenfels bei den Salzburger Festspielen, wo sie den Frosch spielte, konnte sie ihre Liebe, im musikalischen Bereich des Theaters mit Sängern und Musikern zu arbeiten, erneut verwirklichen.
„Die Erkönigin“ von Elfriede Jelinek in der Regie von Einar Schleef am Berliner Ensemble konnte wegen des Todes von Schleef die Premiere nicht erleben, Trissenaar arbeitete dann mehrere Spielzeiten am Deutschen Theater in Berlin und spielte da u. a. den Monolog „Jackie“, den Jelinek für sie geschrieben hatte.
Filmarbeiten u. a. mit Josef Vilsmaier, Roland Suso Richter und Matti Geschonneck („Die Tote vom Deich“) folgten, sie spielte bei der Ruhrtriennale Clara Schumann in einer Oper für Klavier, Libretto und Regie Neuenfels, am Schauspiel Köln spielte sie 2007 die Bernarda Alba, in der „Zauberflöte“ in der Inszenierung von Neuenfels ist sie an der Komischen Oper in Berlin als Spielleiterin Marie Louise zu sehen und im „Jedermann“ in Salzburg (Regie Christian Stückl) als Jedermanns Mutter.
Zuletzt drehte Trissenaar mit Vilsmaier „Brandner Kaspar“ und mit Alexander Adolph („So glücklich war ich noch nie“).
Elisabeth Trissenaar ist Mitglied der Akademie der Darstellenden Künste und Mitglied der Deutschen Filmakademie.
Sie erhielt 1982 den Deutschen Kritikerpreis und 1995 die Kainz – Medaille für ihre Darstellung der Medea in „Das Goldene Vlies“.